Blankenheim – Wie das Leben so spielt – Am Beispiel des Diakons und Prinzen Ludwig

geschrieben von Ulrike Luecke-Bongartz am 16. Januar 2017
Kategorie: Ideen vor Ort, Kunst & Kultur


’’Das Dasein ist köstlich, man muss nur den Mut haben,
sein eigenes Leben zu führen.‘‘

Peter Rosegger

 
12-10-11 - Blankenheim Impressionen  - Foto ULB 001 - 400

Blankenheim mit Blick auf die Kirche. Die Spitze der Burg rechts oben ist auch noch zu sehen – Foto Luecke-Bongartz

Manchmal passieren Dinge im Leben eines Menschen –  spielt das Leben munter drauf los – und dann kommen Situationen zustande, die man noch vor Kurzem nicht einmal zu träumen gewagt hätte! So stand denn bereits 2014 für mich die Frage im Raum: „Was ist ein katholischer Diakon und was macht er eigentlich?”, denn ich hatte die leise Ahnung, dass dies nicht sonderlich bekannt sei und wollte diese Wissenslücke endlich einmal – wenigstens ansatzweise – schließen.

Ludwig Schmahl, unser Professor aus der Ahrstraße und geweihter Diakon schon vor langer Zeit, schien mir Anlass genug, das Thema zu beschreiben.

Es vergingen die Monate im Flug. Mein Bein heilte wieder zusammen und plötzlich, eh ich mich versah, gab es ein zweites Thema: Prinz Ludwig hieß der neue Karnevalsprinz von Blankenheim, um auch in dieser Figur den Menschen Freude zu bringen.

So versuche ich jetzt, 2 Jahre später, nachstehend die eine Person anhand zwei seiner vielen* Rollen/Figuren, die ihn ausmachen, zu beschreiben.

*Nicht zuletzt als Vater von 3 Töchtern und einer studierten Ehefrau kamen noch einmal ein paar Rollen hinzu, die er über Jahrzehnte großartig leistete. Als Lehrer und Professor zuletzt in Polen, kam er volksnah zu den Studierenden und führt sie bis heute sorgsam hin zu wissenschaftlich fundiertem Denken und Handeln. Auch als handwerklich begabter Mensch sieht man ihn immer wieder auch tatkräftig und mit anpackend, Dinge in seinen Häusern vorbildlich selber zu richten.

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Viele schöne Häuser hat Prof. Ludwig Schmahl in Blankenheim wieder zum Leben erweckt, sie in ansehnlichen Zustand versetzt und einer sinnvollen Nutzung zugeführt – Foto Luecke-Bongartz

Im historischen Blankenheim lebt seit 2009 ein katholischer Diakon in seinen Häusern in der Ahrstraße. Er ist inzwischen 73 Jahre alt und immer noch aktiv als Professor in Legnica (Polen) tätig, wo er regelmäßig Vorlesungen hält. Seine Mutter stammt aus Polen, der Vater aus Trier, dessen Familie Schmahl in Blankenheim seit vielen hundert Jahren ansässig war. Inzwischen ist er der einzige Vertreter dieses Namens im historischen Blankenheim.

Kurz vor dem Kriegsende in Schleswig Holstein geboren, hat er lange vergeblich eine Heimat gesucht, die er dann endlich in Blankenheim fand.

Noch immer ist er – und das seit 22 Jahren – Präses einer Schützenbruderschaft in Köln-Zollstock und auch Gründer der Matthias-Bruderschaft Köln-Bayenthal, der im Jahr 1987 einzigen Bruderschaft in Köln. Als Richter beim Offizialat (Kirchengericht) in Köln ist er auch immer noch tätig, da er als Theologe und Jurist für dieses Amt besonders geeignet ist.

16-12-15 LS Köln

Ludwig Schmahl in jungen Jahren an der Kölner Oper Foto privat

Im Kölner „Divertissementchen“ hat er über 20 Jahre in der Oper mitgewirkt, zumeist im Ballett. 1994 gründete er einen theologischen Gesprächskreis für die Bundesbediensteten in Bonn, den er nach wie vor betreut.

Seine besondere Freude gilt der Musik am Flügel und der Orgel und der Malerei in seinem Studio in der Ahrstraße.

Ende 2016 ereilte ihn eine Anfrage, der er nicht widerstehen konnte. Prinz Karneval in Blankenheim, das war nun wirklich nicht vorhersehbar gewesen, aber als Herausforderung eine großartige Sache.

Doch zurück zu der Beschreibung der Aufgaben eines Diakons:

  1. Katholische Diakone

Das Weiheamt mit den Klerikern untergliedert sich in der katholischen Kirche in

  • Bischöfe
  • Priester und
  • Diakone
    .

Jeder Priester muss vor der Weihe zunächst als Diakon geweiht sein und gehört damit zum Bereich der Kleriker.

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Diakonweihe im Kölner Dom  – 8. Mai 1993 – Foto privat L.S.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965 ist das Amt des Diakon allerdings verändert worden.

Ursprünglich ist es mit dem Bischofsamt das älteste der katholischen Kirche. Aus den Konzilsdekreten ergibt sich nunmehr, dass es auch Ständige Diakone geben darf. Sie dürfen im Zeitpunkt der Weihe verheiratete Männer sein, wie es in der orthodoxen Kirche möglich ist.
Allerdings unterliegen sie dem Zölibat vom Zeitpunkt der Weihe an. Das bedeutet, dass sie sich nicht wieder verheiraten dürfen. Ihre Ausbildung erfordert ein theologisches Studium. In Köln bezieht es sich auf vier Jahre an einem Erzbischöflichen Diakonen-Institut, an dem meist Professoren der Theologischen Hochschulen dozieren und Prüfungen abhalten.

  1. Bild des Diakons

Die Zuständigkeiten ergeben sich aus dem Rechtsgrundlagen der Katholischen Kirche. Der Diakon kann:

  • taufen

  • beerdigen und auch

  • einer Trauung vorstehen.

  • Ferner kann er in der Eucharistiefeier assistieren,

  • das Evangelium verkündigen und predigen.

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Diakon Ludwig Schmahl im Gewand des Diakons, der Dalmatik. Foto privat LS

Der Höhepunkt des Diakons im Kirchenjahr ist die Verkündigung des „Exultet“, des Osterlobes in der Osternacht.

Der Diakon kann:

  • jedem Wortgottesdienst vorstehen
  • die Hostien im Tabernakel verwalten und
  • den sakramentalen Segen erteilen
    .

Sein Gewand ist die Dalmatik mit Stola, welche sich vom römischen Priestergewand unterscheidet.

In Ermangelung eines gesunden Diakons – denn der hiesige war damals schwer erkrankt und bat Ludwig Schmahl, ihn zu vertreten – wurden folgende Aufgaben von ihm als Diakon im historischen Blankenheim durchgeführt:

  • Trauungen

  • Beerdigungen und auch

  • auswärtigen Taufen.

Dreiundzwanzig mal hat er 2014 Eucharistische Anbetungen in der Kirche mit Orgelmeditationen angeboten und durchgeführt. Ebenso durfte er als Vertreter des Organisten Gottesdienste musikalisch begleiten.

Im Haus Effata hat er eine Verwendung gefunden, durch

  • Orgelspiel

  • Austeilung der Kommunion und auch

  • Leitung von Rosenkranzandachten

Im Kirchenchor (jetzt: Chorgemeinschaft) singt er im Tenor, wie er es mit großer Freude über dreißig Jahre im Kölner Männergesangsverein getan hat. Herausragend war dabei die langjährige Mitwirkung im Divertissementchen in der Karnevalszeit.

Von dort war der Weg zum Prinzen in der ehrwürdigen Karnevalsgesellschaft Blankenheim von 1613 nicht mehr weit. Das ist und war für ihn eine gute Gelegenheit, den Menschen Freude zu bringen.

Der Wahlspruch lautet für die Session 2017:

Prinz und alle Jecken sind eine fröhliche Schar,
Denn sie leben an der Quelle der Ahr!

Drum lasst uns alle fröhlich sein
In unserm schönen Blankenheim!“

16-11-25 Prinz Ludwig - Bild - 800

.

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und zurück mit Pfeil links.

Links zu folgenden Artikeln:
Ludwig Schmahl auf dem CAMINO de SANTIAGO
Ludwig Schmahl – Städter in Blankenheim

 

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