Ludwig Schmahl auf dem CAMINO de SANTIAGO – Teil 3 – Begegnungen und Gespräche

geschrieben von Ulrike Luecke-Bongartz am 27. Dezember 2015
Kategorie: Kunst & Kultur, Reise & Abenteuer


Geh’ in dich, wenn’s dir nicht zu weit ist!
Gebete, Gedanken und Sinnsprüche zum Jakobsweg

Text & Fotos © Ludwig Schmahl

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Guten Mutes – auch im 3. Teil der Reise 

Auf meiner Rückfahrt mit dem Bus saß ich neben einer Holländerin, welche vierzehn Tage in Roncesvalles als Betreuerin tätig war. In dieser Zeit kamen nach ihren Schilderungen 6.000 Pilger in die Herberge. Es bestanden auf den Wegen also reichliche Gelegenheiten der Begegnung. Jeder rief sich „Buon Camino“ zu und dann ergaben sich meist kleinere oder auch ausgedehntere Gespräche.

In guter Erinnerung ist die Begegnung mit Udo, einem Deutschen. Er ist den ganzen Wege von Deutschland gegangen, erzählte mir von seinen Eindrücken aus der Eifel. Aber er lebt ohne Wohnsitz, ist Frührentner und machte einen zufriedenen und fröhlichen Eindruck auf mich. Auf der Wallfahrt könne er in einer anderen Welt leben, das gefalle ihm. Ich traf ihn in einer kirchlichen Herberge, die ein Essen nach dem Gottesdienst anbietet und keine Übernachtungskosten erhebt, sondern allenfalls um eine Spende bittet. Gelegentlich übernachtet er auch in der freien Natur. Rasieren brauche er sich nicht. Er trug einen Bart, der zwar ergraut, aber doch pflegeleicht war.

  • Von ähnlichem Kaliber war Rainer, ebenfalls ein Deutscher ohne Wohnsitz und Geld. Er berichtete mir, dass er die Unterkünfte, die kein Übernachtungsentgelt fordern, gut kenne. Wenn er etwas wie Schuhe, Jacke oder Wäsche benötige, schicke er ein Gebet zum Himmel. Ausnahmslos habe er durch Fügungen das Erbetene erhalten. Er strahlte Gelassenheit, Ruhe und auch Freude am Leben aus.
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    Dom von Leon

    Mit Miguel bin ich einige Zeit auf dem Weg nach Villafranka gegangen. Ich war froh, dass er sich auskannte. Er war ein Spanier, der mich gern mitnahm. Ich konnte mich ihm daher anschließen und auch unterhalten. Er war noch ein jüngerer Mann und stammte aus der Nähe von Barcelona. Dort hatte eine Beziehung beendet und litt noch unter der Trennung, auch beruflich zeigten sich keine Perspektiven. Ich sprach ihm Mut zu und empfahl ihm das Gottvertrauen, das er ja auf der Wallfahrt finden könne.

  • Auch aus Spanien stammte Mariano, ein junger, gut aussehender Student. Er hatte vier Semester Touristik studiert, war aber gleich von zwei Freundinnen begleitet, denen er abwechselnd einen Kuss auf dem Weg gab. Er meinte, sein Leben sei doch sehr stressig, das Studium und die Frauen, das bringe ihn an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit!
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  • In die Berge bin ich mit Andrew gegangen. Er kam aus England, lebte von seinen Ersparnissen. Eine Wohnung in London hatte er verkauft, so dass der angemessen leben konnte. Einige Zeit hatte er in Japan gelebt, eine Japanerin geheiratet, ist aber jetzt von seiner Frau geschieden. Die Tochter arbeitet in London und hat einen deutschen Lebensgefährten.
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    Mutter Gottesbild in der Sakristei des Domes von Burgos

    Es war für mich sehr hilfreich, dass er sich gut auskannte. Eine Zwischenstation machten wir in der württembergischen Herberge, die neben einer zum Haus gehörenden Kirche liegt. Gern wäre ich dort für eine Nacht geblieben. Mich reizte aber der Anstieg nach O’Cebreiro, deshalb gingen wir nach einer kurzen Pause mit Tee und Gebäck, die uns die deutschen Betreuer reichten, weiter. Andrew erzählte, dass er über 200 Gedichte geschrieben habe und mir einige senden wolle. Am Tag nach der Übernachtung nahmen wir den Weg zum Abstieg. Aber uns überraschte ein Unwetter mit starken Windböen und Regen, ein Fortkommen war nur schwer möglich. Mein Rucksack war durchnässt, der Schirm und Wanderstab mit einem Windschlag vernichtet und auch mein Hut konnte den Wassermassen nicht standhalten.
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  • In einer Gaststätte, wo wir uns vor der Kälte und dem Regen etwas erholten, trafen wir die beiden Israelis, die sich nicht als Pilger bezeichneten. Sie wollten den Weg nur ein kurzes Stück gehen, um einmal zu sehen, was die Christen denn auf diesem Weg so machen. Andrew wollte nach einem längeren Weg nicht weitergehen und bat mich, allein nach Triacastela die Strecke fortzusetzen. Wir haben uns dort aber nicht getroffen.

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    Altar in St. José – Villafranca

  • Dort übernachtete ich in einem Vierbettzimmer mit drei jüngeren Männern. Sie waren schon im Berufsleben als Architekten und Techniker. Ich habe sie dann in Sarria wiedergetroffen. Sie hatten nach dem großen Unwetter den langen Weg gut überstanden. Wir hatten im Haus eine Waschküche mit Wäschetrockner. So konnte ich meine durchnässten Wäscheteile trocknen.
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  • Auch Menschen aus dem Gebiet meiner Geburt und meinem Wohnort traf ich:
    Ursula und Frank waren die Betreuer des von der Stadt Paderborn geleiteten Hauses in Pamplona. Ursula lebt heute mit ihrem Mann in Flensburg. Mein Geburtsort Schleswig – und auch der Ort meines Bauernhofes – war ihr gut bekannt.
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  • Auch Myriam war eine besondere Begegnung: Sie ging in einer Gruppe mit drei weiteren jungen Mädchen. In Blankenheim ist sie aufgewachsen, im Krankenhaus in Mechernich geboren. Ihr Großvater war ein bekannter Organist aus Euskirchen. Sie studiert Gesang an der Musikhochschule in Köln. Es war ihr anzumerken, dass sie eine romantische Ader hatte. Die Mädchen wollten unter anderem meine Liste über die Sammlung der Motive für die Wallfahrt sehen. Myriam fügte das Motiv: “Sich in die Einfachheit des Lebens verlieben!“ hinzu.
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Vor dem Dom in Santiago – große Pforte – der glückliche Pilger am Ziel seiner Reise.

Und es scheint beinahe unglaublich, dass ich in Santiago den Pfarrer aus Blankenheim, Dr. Josef Berger, traf. Ich hielt ihn erst für einen Pilger aus der Herberge in Pedrouso. Er aber erkannte mich sofort. Das war eine große Überraschung für uns beide. Dankbar war ich, dass er mir die auf der gegenüberliegenden Seite des Doms liegende Herberge empfahl. Ich hätte diese Unterkunft von mir aus nicht gewählt. Sie lag im ehemaligen Martinskloster und machte einen sehr komfortablen Eindruck.
Dort erhielt ich durch Zufall noch ein Zimmer, traf mich nach dem Frühgottesdienst mit dem Pfarrer zu einem gemeinsamen Frühstück. Er hatte für drei Wochen die Betreuung der deutschen Pilger übernommen.

Die Rückreise war eine Fahrt mit dem Bus. Und dabei bemerkte ich auf der Strecke durch Spanien zur französischen Grenze, dass die Wallfahrt doch eine erhebliche Strecke umfasste. Alles war gut gegangen, die vielen Erinnerungen bleiben! Dank sei Gott!

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Ludwig Schmahl auf dem Camino de Santiago Teil 2
Ludwig Schmahl auf dem Camino de Santiago Teil 1

Prof. Dr. Ludwig Schmahl

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2 Kommentare zu “ Ludwig Schmahl auf dem CAMINO de SANTIAGO – Teil 3 – Begegnungen und Gespräche ”

  1. Ludwig Schmahl auf dem CAMINO de SANTIAGO – Teil 2 – Besonderheiten der Wallfahrt - Bürger Blog Blankenheim sagt:

    […] Fortsetzung Teil 3  […]

  2. Ludwig Schmahl auf dem Camino de Santiago – Impressionen seiner Pilgerreise 2015- - Bürger Blog Blankenheim sagt:

    […] Fortsetzungen: Anmerk. der Redaktion Teil 2 http://buerger-blog-blankenheim.de/?p=17920 Teil 3 http://buerger-blog-blankenheim.de/?p=18020 […]

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