Symbole, Landschaften und Städte am Beispiel von Blankenheim

geschrieben von Ulrike Luecke-Bongartz am 25. Juni 2015
Kategorie: Aus aller Welt, Ideen vor Ort


Text © Prof. Dr. Ludwig Schmahl:
“Vortrag mit Bildern*” in Krakau anläßlich internationalem
Symposium an der Päpstlichen Universität –
Moderation Prof. Dr. Josef Marecki

Plakat für Symposium

Ein beeindruckendes Plakat lud in Krakau ein zu einer ganzen Serie interessanter Vorträge – auch über Blankenheim – Foto mit freundlicher Genehmigung der Päpstlichen Universität

Wenn im Jahr 2015 Blankenheim sein 900-jähriges, amtlich festgestelltes Bestehen feiert, staunen hier selbst Einheimische über die vielfältige und bunte Geschichte von Blankenheim, die sich nach und nach den neugierigen LeserInnen entfaltet. Hier wurde sie nun für Sie publiziert*, nach dem sie in Krakau am 21. April 2015 als “Vortrag mit Bildern” den Gästen und Zuhörern in der Päpstlichen Universität  anläßlich eines internationalen Symposiums vorgestellt worden war.

Thema ist die Historische Entwicklung Blankenheims, beginnend in der römischen Zeit, dann als Grafenresidenz im Mittelalter, sowohl unter französischer und preußischer Verwaltung, sowie bis hin zu den Perspektiven für eine zukünftige Entwicklung.
Ludwig Schmahl hat nach seiner Pensionierung seinen Wohnsitzt nach Blankenheim verlegt – aber er tut immer noch einige Monate im Jahr als Professor in Polen seinen Dienst.

Lesen Sie also nachstehend eine beeindruckende Geschichte Ihrer alten oder neuen Heimat, des beliebten Eifelstädtchens Blankenheim:

Deutschland: Blankenheim,
Historische Entwicklung
beginnend in der römischen Zeit,
als Grafenresidenz im Mittelalter,
unter der französischen und preußischen Verwaltung,
sowie Perspektiven für eine zukünftige Entwicklung

1. Topographie
2. Römerzeit
3. Mittelalter
4. Französische und
5. Preußische Verwaltung
6. Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg
7. Perspektiven für die Zukunft

0-2012 - Gemeindekarte Bla mR - seit 2012-12-1

Das heutige Gebiet der Gemeinde Blankenheim mit seinen 17 Orten – Foto Büro Wildschütz, Aachen

1. TOPOGRAPHIE
Die Gemeinde Blankenheim liegt in Deutschland linksrheinisch im Mittelgebirge der Eifel. Dieses Gebiet war nach jüngsten Forschungen siebentausend Jahre lang besiedelt. Die Eifel ist das erste Gebirge südlich der Nordsee nach der Ebene der Niederlande. Der höchste Berg ist die Hohe Acht mit einer Erderhebung von 747 Metern über dem Meeresboden.
Blankenheim weist eine Höhe von ca. 500 Metern auf. Heute ist dieser Ort eine Großgemeinde mit 17 ursprünglichen Ortschaften. Sie liegt von Koeln etwa 7o Kilometer entfernt, nach Trier sind es 90 Kilometer und nach Aachen 110 Kilometer. Dort kreuzten sich bereits zur Römerzeit zwei wichtige Verkehrsstraßen, welche von Koeln aus nach der Kaiserstadt Trier und nach Belgien führten.
Der Ort verfügt über einen beachtlichen Waldanteil, war als Luftkurort anerkannt, (ist heute staatlich anerkannter Erholungsort) und wird von einer Grafenburg gekrönt. Der gut 2.000 Einwohner zählende Ort Blankenheim verfügt über einen historischen Ortskern mit einer Anzahl bemerkenswerter Sehenswürdigkeiten. In ihm befindet sich die Quelle des Flusses der Ahr, welche nach 85 Kilometern in den Rhein mündet. Der Name stammt aus dem Keltischen Aha, gleich Wasser. Durchschnittlich fließen aus der Quelle 700 Liter Wasser pro Minute.
Die Hänge der Ahr werden zumeist mit zahlreichen Weinbergen umrahmt. Die gekelterten Trauben sind besonders als Rotweine geschätzt. Das Ahrtal umfasst das größte geschlossene Rotweingebiet Deutschlands.

Der Ort hat in den letzten Jahrzehnten mit einer sinkenden Bevölkerungszahl zu kämpfen. Die Arbeitsmöglichkeiten für jüngere Menschen sind nicht besonders groß. Geprägt ist er durch Landwirtschaft in den ehemaligen Dörfern, ein größeres Gewerbegebiet mit zahlreichen Geschäften und eine beachtliche Zahl von Touristen, welche im Jahr auf etwa 250.000, meist Tagesbesucher aus den Großstädten, geschätzt werden.
Entgegen der vielen Dörfer, ist der historische Ortsteil nicht landwirtschaftlich geprägt, sondern er ist geprägt als ehemaliger Ort der Grafenresidenz mit dem dazugehörigen Schloss als Zentrale für Verwaltung, mit Handwerksbetrieben  und Hotels und auch einer größeren Jugendherberge. Der Ortskern hat durch die auswärts erbauten großen Geschäfte die kleineren Läden verloren. In der Hauptstraße sind zahlreiche Altbauten durch leerstehende Gebäude gekennzeichnet.
Es befinden sich dort zwei historische Katholische Kirchen, aber auch eine evangelische und eine freikirchliche sowie eine muslimische Moschee.

2015-04-06 Römervilla Foto ULB # 542d-640

Nur ansatzweise ist die Römervilla in Blankenheim für die BürgerInnen begehbar – und doch spürt man den Hauch der Geschichte – Foto Luecke-Bongarzt

2. RÖMERZEIT
Am Rande des historischen Zentrums befand sich bereits zur Römerzeit eine größere Landwirtschaft mit einer ausgedehnten Villa Rustica. Sie zählt zur größten römischen Landvilla nördlich der Alpen. Versorgt wurden das Militär und die Städte –  insbesondere Koeln, Bonn und Aachen. Die römische Kaiserstadt Trier hatte in der damaligen Zeit eine Bevölkerung von ca. 100.000 Bewohnern. Zusätzlich konnte eine Eisenverhüttung nachgewiesen werden. In die Liste der ortsfesten Bodendenkmäler ist die Villa 1997 eingetragen worden.

Das von den Römern eroberte Gebiet wurde nach der dortigen Kultur der Kelten durch den Bau von Straßen erschlossen. Nicht nur der militärische Erfolg war dabei wichtig, sondern auch der Alltag in den unterworfenen Gebieten. Dabei akzeptierten die Römer die Lebensweise der dort vorher lebenden Menschen, verbesserten aber auch nachhaltig deren Lebenssituationen. So richteten sie Thermen, Aquädukte, aber auch Gutshöfe ein, die sogenannten Römervillen, welche Schauplätze landwirtschaftlichen und bäuerlichen Lebens waren. Ihren Anfang nahm die Römervilla in der Mitte des 1. Jahrhunderts nach Christus. Bis Mitte des 4. Jahrhunderts wurde sie bewirtschaftet. Erst im Jahr 1894 ist sie im Rahmen von Ausgrabungen wiederentdeckt worden. Erst 2014 wurde ein Teil des Geländes und der Gebäude rekonstruiert und der Bevölkerung – auch im Rahmen eines Museumsgebäudes – präsentiert. Das Hauptgebäude wies eine Größe von 70 mal 22 Meter auf, enthielt 75 Räume, eine Fußbodenheizung und verfügte über einen ansehnlichen Badetrakt. Viele Nebengebäude wie ein Tempel und Nebengelass umrahmten die Anlage. Die Hoffläche lag auf einem terrassierten Hang und war vollständig von einer Bruchsteinmauer eingefasst. Im oberen Hangbereich existierte ein Nutzgarten, an den sich das Hauptgebäude anschloss. Im Hang davor befand sich ein großer, rechteckiger Hof, an dessen Seiten sechs Nebengebäude angeordnet waren.

Römische Straße

Die Römer hinterließen nachhaltig ihre Spuren, denn auf gute Straßen legten sie großen Wert – Foto Danke Wikipedia

Die Römerzeit brachte eine hohe Kultur in den Raum von Blankenheim, durch die ausgebauten Straßenverbindungen, ärztliche Versorgung, eine Münzwährung für einen ausgedehnten Handel, eine weit verbreitete Bestattungskultur, die Annehmlichkeiten des Wohnens und einer detaillierten Verwaltung mit einem Rechtssystem, das noch immer in unsere Zeit hineinwirkt. Aber es unterschied rechtlich zwischen Freien und Unfreien, wodurch das Sklavenwesen akzeptiert wurde.
Der nordische Raum wurde auch bevorzugt besiedelt von ehemaligen Soldaten, welche ihre Abfindung nach der Pensionierung in Grundstücke anlegten.

3. MITTELALTER
Im Jahre 721 wird in einer Gründungsurkunde der Abtei Prüm der Name „blancium“ im Hinblick auf eine Schenkung erwähnt. Nach Meinung zahlreicher Forscher wird das heutige Blankenheim damit erstmals urkundlich erwähnt. Es folgt sodann eine mittelalterliche Verwaltung durch die Herren von Blankenheim, welche erstmalig Anfang des 12. Jahrhunderts in einer Kölner Urkunde benannt werden. Eindeutige Nennungen von Burg und Ort datieren ebenfalls aus dieser Zeit. 1380 erhalten die Herren den gräflichen Titel. Im Jahr 1461 wird Graf Dietrich III. aus Blankenheim-Manderscheid von Kaiser Friedrich III. zum Reichsgrafen ernannt. Bald werden die Blankenheimer Grafen zur größten selbstständigen Herrschaft der Eifel. Die Grafschaft vergrößerte sich ständig durch Heiraten und Landverträge.

Nach dem Protokoll des Reichsdeputationshauptschlusse aus dem Jahr 1803 gehörten zur Grafschaft 25 Flecken und Dörfer mit rund 3.900 Einwohnern. Seit 1697 gab es einen Landschultheissen, der an der Spitze der Verwaltung stand. Das Obergericht für die Grafschaft wird seit 1597 erwähnt, es war in Blankenheim ansässig. 1790 umfasste die Grafschaft einen Umfang von 13.952 Hektar sowie der angegliederten Gebiete von 6.888 Hektar. Das entspricht einer Fläche von 220 Quadratkilometern.

Burg in Blankenheim

Blick heute von Lühberg aus auf die Burg – Foto Luecke-Bongartz

Die Burg von 1115 auf der Felsklippe oberhalb der Ahrquelle wurde zu einem barocken Schloss mit einem Tiergarten und einer Orangerie umgebaut. Zur Wasserversor gung wird eine Leitung aus dem Tal in den Jahren 1468/1469 installiert. Aus einer Quelle im Tal wird das Wasser über ein Kanalsystem in den Hof des Schlosses gepumpt. In der damaligen Zeit war das eine hervorragende Leistung der Technik. Es gab Gefälleleitungen, Druckrohrleitungen und Aquadukt-Tunnel. Der Ort weist eine Stadtmauer bzw. Burgbering auf, welche durch Eingangstore und Wehrgänge ergänzt wurde.
Die gräfliche Familie erhielt durch zahlreiche Heiraten oder auch durch die Übernahme von Ämtern in Klöstern einen weitreichenden Einfluss.
1705 folgte die Ernennung der Grafen durch den Kaiser zum Kommissarius. Das bedeutete, dass die residierenden Grafen Bevollmächtigte des deutschen Kaisers wurden und die Huldigungen der Bürger in Köln an seiner Stelle entgegennahmen. Die Kölner mussten sich also vor den blankenheimer Reichsgrafen verneigen.

Besondere Erwähnung verdient der Lebenslauf des Bruders des Grafen Franz Georg. Er wurde als Graf Johann Moritz Gustav in Blankenheim geboren. Mit 9 Jahren erhielt er die Domherrenwürde in Koeln, danach in Straßburg, es folgte ein Bischofsamt in Wien und die Ernennung zum Erzbischof in Palermo. Schließlich wurde er Erzbischof von Prag sowie Primas des Königreiches Böhmen. Er residierte dort von 1735 bis 1763. Er vermittelte die Heirat der residierenden Reichsgräfin Augusta mit dem böhmischen Grafen Philipp Christian von Sternberg. Dieser errichtete in der Kölner Altstadt 1758 den „Blankenheimer Hof“. Das herrschaftliche Anwesen stand bis zur Niederlegung im Jahr 1913 in zentraler Lage am Neumarkt.

Kapelle Hülchrath  mitten im Gelände der Seniorenhaus gemeinschaft St. Josef & Aegidius, direkt gegenüber vom Café Klösterchen - Foto Luecke-Bongartz

Kapelle Hülchrath mitten im Gelände der Seniorenhaus gemeinschaft St. Josef & Aegidius, direkt gegenüber vom Café Klösterchen – Foto Luecke-Bongartz

Ein Relikt aus der Barockzeit ist die Kapelle Huelchrath. Sie liegt auf einer Anhöhe des Ortes und bietet einen Ausblick auf den historischen Ort mit dem Schloss. Der Weg dorthin führt entlang von sieben Fußfällen, welche besonders nach dem Tod von Blankenheimern betend begangen wurden. 1781 ist die Kapelle fertiggestellt worden als Sühnezeichen für die 3. Gemahlin des Grafen Josef Franz Georg Ludwig. Sie wurde auf den Titel des Heiligen Kreuzes geweiht. Der Innenraum ist mit zahlreichen Rokokostuckierungen und einer Spiegeldecke versehen.

Im Mittelalter war Zeichen der Macht und Erhöhung des Ansehens durch Reliquien gekennzeichnet. Koeln war im Besitz der Reliquien der heiligen Drei Könige, Aachen und das nahegelegene Kornelimuenster hatten einen großen Reliquienbestand. Die Grafen von Blankenheim konnten durch ihre zahlreichen Reisen einen Schatz von über 500 Reliquien erwerben. Es gehörten dazu eine Büste mit Reliquien des Heiligen Georg von 1440 und der so bezeichnete Moses Stab. Die heutige Pfarrkirche wurde am Fuße des Schlosshügels als Wallfahrtskirche erbaut, wo die jährlichen Heiltumsfestlichkeiten begangen wurden. Ein großer Teil der nach Böhmen transportierten Schätze sind noch ungeöffnet in Teresienstadt aufbewahrt, allerdings in den letzten Jahren mit Genehmigung Tschechiens teilweise digitalisiert worden. Dazu gehört auch das Heiltumsbuch, in dem alle Reliquien aufgelistet sind. Es ist im 15. Jahrhundert geschrieben und gibt Erläuterung zu den Reliquien mit dem Bezug auf Bibelstellen. Es wird als Handreichung für das Verlesen vor den Pilgern gedeutet. Zum Grafenjubiläum 2015 wird es der Öffentlichkeit vorgestellt.
Das Leben in dem beschaulichen Residenzort war angenehm, die gräfliche Familie war wohlhabend und verfügte über eine große Zahl von Einnahmen.

Napoleon Bonaparte

Napoleon Bonaparte hoch zu Roß. Er machte sich auch Blankenheim mit großen Folgen untertan – Foto mit Dank aus Wikipedia

4. FRANZÖSISCHE VERWALTUNG
Das Leben in Blankenheim veränderte sich entscheidend durch die Auswirkungen der französischen Revolution. 1794 marschierten die französischen Truppen in den Ort. Das öffentliche Leben unterlag einer gravierenden Veränderung:
Adlige und Priester wurden hingerichtet, Klöster aufgelöst, die Kirche diskreditiert, Bürger mussten der „Göttin der Vernunft“ huldigen.
Als Folge des Friedens von Lune’ville im Jahre 1801 gelangte Blankenheim wie das übrige linksrheinische Gebiet an Frankreich. Das kirchliche Leben wurde behindert, das Kirchenvermögen bis auf Pfarrgebäude versteigert. Die neue Verwaltung übernahm die Besitzungen der gräflichen Familie, die Häuser erhielten als Ausdruck französischer Verwaltung Nummern. Es wurden neue Gesetzesgrundlagen eingeführt, der „Code Napoleon“. In einigen Teilen gilt diese Rechtsgrundlage nach heute in den linksrheinischen Gebieten. Für die Bevölkerung war es trotz allen Unrechts durch die französischen Soldaten ein Aufbruch in eine neue Zeit. Die Werte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit erregten das Interesse vor allem der jüngeren Generation, auch das aufklärerische Denken, die Formulierung von Menschenrechten. Die Schrecken der Revolution wurden erst später vor allem in Koeln und Trier sichtbar.
Nach der Besetzung des linken Rheinufers mit den zugehörigen Gebieten durch die Franzosen bildete sich in Blankenheim um 1795 eine Zentralbehörde. Sie gehörte zum Arrondissement Prüm im Saar-Departement. Französisch wurde Amtssprache. Selbst die neu getauften Kinder erhielten französische Namen.
Die gräfliche Familie begab sich 1794 mit 32 Wagen auf die Flucht nach Prag, wo das weitläufige Palais des Grafen Sternberg bezogen werden konnte. Sie fürchteten zur Recht um ihr Leben, im Jahr davor wurde der französische König Ludwig XVI. in Paris hingerichtet. Das Schloss wurde geplündert von den Soldaten aber auch von der Bevölkerung und letztlich zum Abbruch freigegeben. Der umfangreiche Bestand an römischen Funden gelangte nach Paris und ist dort noch immer im Louvre zu betrachten. Das Schloss blieb als Ruine zurück.

Karte Preußen

Preußen war ein seit dem Spätmittelalter bestehendes Land zwischen Ostsee, Pommern, Polen und Litauen, dessen Name nach 1701 auf ein weit größeres, aus dem Kurfürstentum Brandenburg hervorgegangenes … Wikipedia

5. PREUßISCHE VERWALTUNG
Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses 1815 gelangte Blankenheim in das preußische Gebiet. Die gräfliche Familie erhielt ihre Besitzungen nicht zurück, bekam aber die Güter der vormaligen Klöster Weissenau und Schussenried in Oberschwaben als Entschädigung zugesprochen.
Laut königlichem Patent vom 5.4.1815 wurde die Besitznahme des Großherzogtums Niederrhein durch den preußischen Staat verfügt. Zu den benannten Orten gehörte auch Blankenheim. Es wurden sechs rheinische Verwaltungsbezirke errichtet, Blankenheim der Regierung in Aachen zugewiesen. Die Verwaltung war den preußischen Idealen verpflichtet. Durch den Kulturkampf des Staates mit der katholischen Kirche verwaisten weite katholische Kirchengemeinden infolge Priestermangels durch die Direktiven der Verwaltung. Der preußische Staat war auch ein Soldatenstaat, viele Schlossbauten wurden zu Kasernen umfunktoniert.

6. ENTWICKLUNG NACH DEM 2. WELTKRIEG
Die Begeisterung für den Nationalsozialismus war im Ort zurückhaltend. Wahrend das nahe gelegene Köln zu 95% zerstört wurde, blieb Blankenheim von den britischen Luftangriffen weitgehend verschont. Einige Schäden durch Bombenabwürfe waren allerdings zu beklagen. Der Ort erhielt sodann ab 1945 eine belgische Besatzung. Die belgischen Truppen sollten bis zum Eintritt Deutschlands in die Nato am 6. Mai 1955 verbleiben. Tatsächlich waren sie bis zum Jahr 2002 stationiert.
1988 waren noch 26.000 belgische Soldaten in Deutschland, 25.000 Frauen und Kinder lebten mit ihnen. Für Blankenheim bedeutete die Stationierung einen wirtschaftlichen Vorteil. Es wurde auch eine Siedlung für die Besatzung errichtet, sowie ein Schule für die Kinder.

Ein Blick aufs Georgstor durc

Ein Blick durchs Georgstor auf den oberen Teil der Ahrstraße heute – Foto Luecke-Bongartz

In der Hauptstraße, der Ahrstraße, etablierten sich vierzehn Gastwirtschaften, welche ein gutes Auskommen hatte. Mit dem Abzug der Besatzer fehlte es an Gästen, so dass eine Reihe von Lokalen aufgab. Auch der Besuch von Touristen, vor allem aus den Niederlanden, ließ nach. Ziele in Mallorca, dem übrigen Spanien, Griechenland und der Türkei wurden von den bisherigen Besuchern bevorzugt.
Das neu errichtete Gewerbegebiet führte zu einem Rückgang der Geschäfte im historischen Ort, da die großen Handelshäuser eine große Konkurrenz bedeuteten. Besucher des Ortes fallen heute die vielen leer stehenden Läden auf, welche keine Interessenten finden. Die Schlossanlage ist wiederaufgebaut und zu einer Jugendherberge geworden. Touristen beleben die Geschäfte und nutzen die durch Blankenheim führenden Pilgerwege oder die Wanderwege mit einer Länge von insgesamt 400 Kilometern.

7. PERSPEKTIVEN FÜR DIE ZUKUNFT
Besondere Beachtung ist dabei einem Masterplan zur Umgestaltung der Blankenheimer Altstadt zu schenken:
Es handelte sich um ein Projekt im “Masterstudium Architektur und Stadtplanung an der Technischen Universität Aachen”, betreut durch den Lehrstuhl und das Institut für Städtebau und Landesplanung im Winter und Sommersemester 2014. Nach den Bekundungen des betreuenden Professor Dr. Rolf Westerheide sei die Blankenheimer Altstadt ein „historischer Schatz, der gehoben werden müsse!“ Im Rahmen eines viertägigen Workshops in Blankenheim kamen insgesamt 16 Studenten mit den örtlichen Gegebenheiten, Vertretern des Gemeinderats, Bewohnern und dem Bürgermeister ins Gespräch. Es war die Frage zu lösen, wie dieser historische Ort an Attraktivität gewinnen könne.

Vorstellung studentischer Entwürfe zum Masterplan - Prof. Rolf Westerheide-Aachen, 2015 - Foto Luecke-Bongartz

In Blankenheim öffentliche Vorstellung studentischer Entwürfe zum Masterplan – Prof. Rolf Westerheide-Aachen, 2015 – Foto Luecke-Bongartz

Intensive Analysen in den Bereichen Ortseingang, dem historischen Ortskern nebst der Hauptstraße, haben allgemein zur Feststellung von Defiziten und Potenzialen für Blankenheim geführt. Daraus ist der vorgelegte Masterplan für die zukünftige Entwicklung abgeleitet worden. Die Maßnahmen sind sodann in Handlungsempfehlungen für die einzelnen Bereiche formuliert worden. Zunächst ist im Gutachten die Feststellung enthalten: “Blankenheim besitzt mit den zahlreichen erhaltenen Fachwerkhäusern und historisch wertvollen Bauwerken wie die Burg und dem Posthof einen besonderen Ortskern, mit der Ahrquelle im Zentrum sogar ein Alleinstellungsmerkmal. Diese großen Potentiale scheinen jedoch wenig genutzt. Der Ortskern leidet unter Wohnungs- und Ladenleerstand, der Verkehrsbelastung und einem ungeordneten, diffusen Stadtraum.“

Als Potentiale werden angeführt:
– Förderung und Ausbau von Tourismus,
– der historische Kern als Zentrum der Gemeinde mit 17 Ortschaften,
– Standort als Potential für neues Wohnen.

Es werden auch konkrete Handlungsempfehlungen formuliert fuer:
Gestaltung des Ortskerns,
– des Ortseingangs mit dem Busbahnhof,
– des Eingangs am Rathaus,
– der Hauptstraße (Fahrstraße).

Dabei reichen die Handlungsperspektiven von der Pflasterung der Straßen, der Aufbewahrung der Mülltonnen, der Beleuchtung, der Gestaltung des Zugangs zur Ahrquelle bis zur Hervorhebung und Verbesserung der Ansicht der historischen Gebäude.

Übersicht aus Masterplan

Mit viel Akkrebie und Phantasie brachten StudentInen der RWTH Aachen im Masterplan ihre Ideen zu Papier – Foto Luecke-Bongartz

In einem zweiten Teil des Plans werden einzelne Gebäude analysiert und Ideen fuer eine künftige Verwendung entwickelt. Eine Gemeinde in Deutschland – wie Blankenheim in der Eifel – hat eine große geschichtliche Entwicklung vorzuweisen. Die neuen Herausforderungen liegen in der Gestaltung des historischen Ortskern und der Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Kulturförderung und Tourismus.
Besondere Beachtung verdienen zwei im Ort befindliche Seniorenheime und ein weiträumiger Reiterhof, welche Arbeitsplätze garantieren. Eines der Heime wird vom Orden „Communio in Christo“ betrieben, welcher seinen Hauptsitz in Mechernich hat und von einer Holländerin 1984 gegründet wurde. Die Gründerin war eine begnadete Mystikerin und hat zeitweise in Blankenheim gelebt.
Es ist jetzt Aufgabe der Gemeinde, aber auch der Bewohner, die Vorschläge des Masterplans aufzugreifen und ein konkretes Handlungskonzept zu entwickeln. Die Unterlagen des Masterplans sind auch rechtlich dazu geeignet, staatliche Foerdergelder für die Realisierung der vorgeschlagenen Ziele in Anspruch zu nehmen.
Es bleibt also abzuwarten, ob der entdeckte„verborgene Schatz“ Blankenheim für die Zukunft belebt werden kann.

Anmerkung der Redaktion:

      • Die Fotos/Bilder* wurden nachträglich eingefügt, da uns nur der Redetext zur Verfügung stand.
      • Bitte klicken Sie die Fotos jeweils an und schauen dann die Vergrößerung.
      • Bitte benutzen Sie die Kommentarfunktion, wenn Ihnen eine wichtige Abweichung vom Redetext bekannt ist.
      • Wenn Sie die studentischen Entwürfe zum Masterplan interessieren, bitte  nachstehenden Link anklicken:

http://www.blankenheim.de/aktuelles/leitbild/studentischer-masterplan-blankenheim/?id=31713

 

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