Die eine Wahrheit gibt es nicht

geschrieben von Bürgerbeitrag/Gastbeitrag am 1. August 2014
Kategorie: Literatur & Bücher


„Randnotizen“, das neue Buch von André Biakowski, beleuchtet in vier Erzählungen schonungslos unsere Gegenwart. Ein gelungenes Plädoyer für mehr Menschlichkeit.

André Biakowski - Randnotizen - Es ist nie wie man denktNach dem sehr bewegenden Buch „OBIAD-MEHR ALS NUR MITTAGESSEN“, in dem der bei Stuttgart lebende Autor in Briefform seine Begegnungen mit den letzten Überlebenden des Holocaust schilderte, erschien Ende Mai 2014 im ACABUS Verlag Hamburg „RANDNOTIZEN-ES IST NIE WIE MAN DENKT“. Das sympathisch anmutende Büchlein mit seinen gerade mal 127 Seiten ist eine Abmahnung an unser vorschnell urteilendes Heute.  In vier Episoden beobachtet der  Autor wie unter einem Brennglas vier Lebensrealitäten: die eines philosophischen Obdachlosen in der Stuttgarter Bahnhofsunterführung sowie die eines Flaschensammlers, der seine Würde nicht verliert. Die eines zölibatären Priesters, der seine Freundin einfach nur lieben dürfen will und letztlich die eines aus Sarajevo stammenden jungen  Strichers auf dem Stuttgarter Männerstrich.

Biakowskis Themen sind in ihrer Dynamik brutal, weil sie mit den Lebensrealitäten der meisten Leser des Buches nichts oder nur wenig zu tun haben. Biakowski wertet nicht. Aber er hinterfragt ganz gezielt. Etwa „Was ist eigentlich Obdachlosigkeit? […] Wählt ein Mensch bewusst die Obdachlosigkeit? Oder bleibt ihm letztlich keine Wahl?“ Dabei will der Autor die Lebensrealitäten der Protagonisten, die er „im echten Leben“ alle  persönlich kennt, nicht voyeuristisch zerpflücken, vielmehr gibt er ihnen in kurzen, prägnanten Sätzen einen würdevollen Raum und dem Leser damit die Möglichkeit hinter die Kulisse der eigenen Vorurteile zu blicken. „Wissen wir […] wirklich, was es für einen Pfarrer bedeutet, im Geheimen zu lieben? Wie es sich für seine Freundin anfühlen muss, nicht öffentlich an seiner Seite leben zu dürfen?“ Seite für Seite führt er den Leser  in „RANDNOTIZEN-ES IST NIE WIE MAN DENKT“ zu den Antworten und entlarvt dessen Normvorstellungen als etwas, das für diesen meist selbst nicht gilt. „Die Norm, aus der ein Mensch fallen könnte, gibt es nicht. Wir, die es sich leisten können, bestimmen sie immer für andere.“ André Biakowski zwingt den Leser die Komfortzone der eigenen Ansichten zu verlassen, diese zu hinterfragen und sich einzugestehen: ES IST NIE WIE MAN DENKT.

RANDNOTIZEN-­‐ES IST NIE WIE MAN DENKT
Hamburg, ACABUS Verlag 2014
ISBN: 9783862822836
www.acabus.de

Webseite des Autors: www.biakowski.de

 

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