Buchvorstellung: Dorothee Sargon – „Hier bin ich der Boss, oder?“

geschrieben von Bürgerbeitrag/Gastbeitrag am 6. März 2012
Kategorie: Kulturwoche, Literatur & Bücher


Ein Gastbeitrag von Dorothee Sargon im Rahmen der 1. Kulturwoche im Bürger Blog

e Sargon - Hier bin ich der Boss oder?„Dein Junge wird im November zur Welt kommen, also ein Skorpion sein. Er wird eine starke Persönlichkeit haben und durch Hartnäckigkeit alles erreichen, was er sich in den Kopf setzt. Lerne beizeiten mit festem Blick <nein> zu sagen, denn er wird dich unverwandt anstarren, und zwar so lange, bis er erreicht, was er will. Und wenn du einen Laufstall kaufst, besorge einen großen, in den du passt, denn er wird der einzige Schutz für dich.“, so sprach mich eine Zigeunerin mitten auf der Frankfurter Zeil an.

“Warum hat mich diese wildfremde Frau im siebten Monat  angesprochen und vorhergesagt, dass mein Kind unter dem Sternzeichen Skorpion geboren wird? Und woher weiß sie etwas über die Persönlichkeit?”, dachte ich überrascht und ablehnend. Dass mein Baby im November geboren wird, war mir bekannt; aber Junge oder Mädchen − kein Arzt konnte dies sagen, denn 1970 gab es noch keine Ultraschallgeräte.  Nach einiger Zeit hatte ich die Weissagung vergessen. Heute kann ich jedoch bestätigen, dass ihre Vorhersagen zutrafen. Wie ist das nur möglich? Es ist mir ein Rätsel.

Mein Sohn wurde Mitte November geboren. Vom ersten Tag an war er der Schreier der Station. Die Nachtschwester kam regelmäßig morgens um 4:00 Uhr mit der Bemerkung:

Hier haben Sie Ihren Schreihals, er weckt mir ja alle Babys auf.

Zuhause war es nicht anders. Er muss gefühlt haben, wenn wir im Bett lagen und schlafen wollten. Keine fünf Minuten vergingen, und er fing an zu schreien.  Ruhe war sofort, wenn er zwischen uns schlafen konnte. Tagtäglich verlangte er meine pausenlose Zuwendung. Hatte er diese mal nicht, schrie er ununterbrochen. Wie oft packte ich ihn ins Auto und fuhr mit ihm spazieren. Friedlich lag er dann in seinem Körbchen und schlief. Aber wehe, ich musste an einer Ampel halten, weil sie rot war. Waren wir mit Kinderwagen unterwegs, schrie er ununterbrochen. Er war nur ruhig, wenn ich ihn rausnahm und trug. Passanten fragten mich: „Was machen Sie, wenn Sie noch ein Kind bekommen?“ Ich antwortete dann meist hilflos: „Dann werde ich in eins dieser speziellen Häuser einziehen und mich freiwillig in die Hand eines Psychologen begeben.“

Da mein Sohn jeden Tag für Überraschungen sorgte und meine Nerven tüchtig strapazierte, fing ich an, ein Tagebuch zu führen. Alle Liebens- und Unliebenswürdigkeiten,  Streiche  und sonstige Aktivitäten notierte ich bis zur Einschulung.  Auch eingeleitete Maßnahmen fehlten nicht sowie die Bemerkungen, ob sie von Erfolg gekrönt waren oder ob er siegreich war. Sein häufigstes Wort war <nein>.

„Spinat? Nein danke.“ Entsprechend sahen ich und die Küche nach der Speisung aus.

„Gladiolen in der Bodenvase?“ Blüten am Stängel haben keine Berechtigung.

„Wasser im Putzeimer?“  Damit kann man sich so schön nass machen.

„Laufstall?“ Dient nur einem Ziel, so schnell wie möglich Flucht.

„Kaffeeklatsch?“ Beendigung, wenn man die Tischdecke mit einem Ruck entfernt.

“Pille?“ Die isst man lieber selbst. Noch ein Baby, nein danke.

„Schuhe mit Einlagen?“ Das muss nicht sein, also ausziehen und raus aus dem Autofenster.

„Machtkampf?“ Sicher, denn der Boss kann nur einer sein.

„Dreirad?“ Wozu, will ein Auto und Geschwindigkeitsrausch.

„Wäschelöffel?“ Als Abschreckung nicht geeignet.

Es gibt viele Geschichten über seinen Werdegang, die er in Gedichtform erzählt. Ihn täglich auf den rechten Weg zu bringen,  erforderte viel Liebe, Geduld und Gespräche, die kein Ende nahmen. Meine Ideen und Maßnahmen waren häufig nicht alltäglich.

Ein Umzug förderte die Tagebücher wieder ans Licht. Ich hatte sie längst vergessen, aber nun waren sie da und ich beschloss, nach Absprache mit meinem Sohn dieses Buch zu schreiben. Ein etwas anderes Kinderbegleitbuch, kann als moderner Familienratgeber dienen, der sowohl bei Kindern und Erwachsenen für tollen Spaß und Unterhaltung sorgt. Sicher zeigt er auch Auswege aus der ein oder anderen kleinen Erziehungskrise.  Wir glauben zu wissen, wie Kinder denken, handeln und fühlen.  Mit diesem Buch sorgte mein Sohn für eine Bestätigung.

Biogramm der Autorin

Dorothee SargonDorothee Sargon wurde 1942 in Kassel geboren. Nach der Schulzeit lernte sie Bürokauffrau und arbeitete in verschiedenen Firmen als Stenotypistin und Kontoristin. 1963 ging sie als Au-pair-Mädchen in die USA, um die Sprache zu lernen. Nach ihrer Rückkehr im Jahre 1964 erwarb sie ihr Sekretärinnendiplom und arbeitete viele Jahre als Sekretärin. Im Dezember 1965 heiratete sie, 1970 kam ihr einziger Sohn zur Welt. Fünfzehn Jahre blieb sie zu Hause und widmete sich der Erziehung ihres Sohnes. Während dieser Zeit war sie die rechte Hand in den Geschäften ihres Mannes. 1985 schaffte sie den Wiedereinstieg ins Berufsleben und arbeitete bis zur Pensionierung als Sekretärin. Mit 47 Jahren ging sie noch einmal zur Abendschule und erlernte den Beruf Kosmetikerin. Von 1990 bis zur Pensionierung im Jahr 2002 war sie nebenberuflich Kosmetikerin im eigenen Institut. Acht Jahre übernahm sie im Frühjahr und Herbst die zweimonatigen Abendkurse in dieser Schule als Fachdozentin für Massagen.

Ihre Vorliebe für Tagebücher brachte sie darauf, diese zu sichten, eigene Erlebnisse in Kurzgeschichten zu fassen und Bücher zu schreiben.

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Dieser Gastbeitrag sowie die Aktion “Kulturwochen im Bürger Blog” resultiert aus dem Miteinaner in der Gruppe “Kultur in der Eifel”:

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Kultur in der Eifel” ist eine neue Gruppe im Sozialen Netzwerk Facebook, in der Kulturaktive und Interessierte sich treffen können. Die Idee ist, dass jeder seine Werke und Tipps präsentieren kann und dass man Kulturschaffende und Veranstaltungen dort finden kann.

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